Neue Engagierte gewinnen – was wirkt wirklich?
Vom “Helfersuchen” zum “Gestalten von Engagement-Räumen” – Learnings aus der Podiumsdiskussion am 11. Mai 2026
Viele Vereine, Initiativen und soziale Projekte suchen nach Antworten auf die Frage: Wie gewinnen wir neue Engagierte? Die digitale Diskussion auf dem MEET CAMPUS am 11. Mai 2026 mit unseren drei Gästen aus Jugendarbeit, Kulturarbeit und Kirche zeigte jedoch, dass die entscheidende Frage oft eine andere ist: Wie schaffen wir Bedingungen, unter denen Menschen gerne Verantwortung übernehmen und sich einbringen möchten?
Dabei wurden einige Erfolgsfaktoren sichtbar, die sich unabhängig vom jeweiligen Tätigkeitsfeld immer wieder bewähren.
Begeisterung wirkt ansteckend
Der wichtigste Schlüssel zur Gewinnung neuer Engagierter bleibt die persönliche Ansprache. Doch erfolgreich ist sie vor allem dann, wenn sie nicht als Werbung verstanden wird. Menschen lassen sich selten für Aufgaben begeistern – sie lassen sich für Menschen und für eine Idee begeistern. Wer andere für ein Engagement gewinnen möchte, sollte deshalb authentisch von der eigenen Motivation sprechen:
- Warum engagiere ich mich selbst?
- Was bewegt mich an diesem Thema?
- Welchen Unterschied macht das Engagement fĂĽr andere Menschen?
Echte Begeisterung und die sichtbare Sinnhaftigkeit einer Aufgabe wirken oft stärker als jeder professionelle Flyer oder Social-Media-Beitrag.
Gute Rahmenbedingungen schaffen Vertrauen
Engagement entsteht leichter dort, wo die Rahmenbedingungen klar und verlässlich sind. Die Diskussion machte deutlich: Ehrenamtliche sollten sich auf ihre Aufgaben konzentrieren können. Organisatorische Fragen, Informationsflüsse oder notwendige Ressourcen sollten möglichst gut vorbereitet sein. Hauptberufliche Mitarbeitende spielen dabei häufig eine wichtige Rolle. Sie können Strukturen schaffen, koordinieren und unterstützen, damit Ehrenamtliche ihre Energie für das eigentliche Anliegen einsetzen können.
Wer sich engagiert, möchte wissen:
- Was wird von mir erwartet?
- Wer unterstĂĽtzt mich?
- Welche Verantwortung ĂĽbernehme ich?
- An wen kann ich mich bei Fragen wenden?
Flexibilität ist keine Ausnahme mehr
Viele Menschen möchten sich heute engagieren, allerdings nicht unbedingt für viele Jahre in derselben Funktion. Erfolgreiche Organisationen ermöglichen deshalb unterschiedliche Wege des Mitwirkens:
- projektbezogene Einsätze
- zeitlich begrenzte Aufgaben
- langfristige Engagement-Formen
- Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeitsbereichen.
Wichtig ist dabei, Übergänge zu ermöglichen. Nicht jede Person möchte dauerhaft dieselbe Aufgabe übernehmen. Wer Entwicklungsmöglichkeiten anbietet, kann Engagierte oft langfristig binden. Besonders hilfreich sind dabei Patenschaften, Mentoring-Modelle oder persönliche Begleitung. Menschen wachsen leichter in neue Rollen hinein, wenn sie dabei nicht allein gelassen werden.
Weniger Erwartungen, mehr Offenheit
Ein spannender Gedanke aus der Diskussion war, mit weniger festen Erwartungen auf Interessierte zuzugehen. Oft suchen Organisationen ganz bestimmte Personen für ganz bestimmte Aufgaben. Doch dadurch werden Möglichkeiten verschenkt. Menschen bringen eigene Fähigkeiten, Interessen und Ideen mit, die häufig nicht in bestehende Stellenbeschreibungen passen. Wer offen in Gespräche geht und fragt: „Was möchten Sie einbringen?“ statt: „Können Sie diese Aufgabe übernehmen?“ entdeckt oft neue Potenziale. Manches Engagement entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Deshalb lohnt es sich, Spielräume zuzulassen und gemeinsam zu schauen, welche Rolle zu einer Person passt.
Die entscheidende Frage: Menschen für Aufgaben gewinnen oder Räume öffnen?
Vielleicht die wichtigste Erkenntnis der Podiumsdiskussion war die Spannung zwischen zwei Perspektiven:
Die organisationsorientierte Sicht
Hier steht die Frage im Mittelpunkt: Welche Aufgaben mĂĽssen besetzt werden?
Der Blick richtet sich auf konkrete Bedarfe und offene Funktionen.
Die engagementorientierte Sicht
Hier lautet die Frage: Wie schaffen wir Räume für Menschen, die sich einbringen möchten?
Der Ausgangspunkt sind die Interessen, Talente und Motivationen der Menschen.
Beide Sichtweisen sind wichtig. Organisationen haben konkrete Aufgaben zu erfüllen. Gleichzeitig entstehen oft die innovativsten und nachhaltigsten Formen des Engagements dort, wo Menschen Freiräume erhalten und eigene Ideen einbringen können. Die Zukunft erfolgreicher Engagementförderung liegt vermutlich darin, beide Perspektiven miteinander zu verbinden.
Fazit
Neue Engagierte zu gewinnen bedeutet heute weit mehr, als Freiwillige für offene Aufgaben zu suchen. Erfolgreiche Organisationen schaffen Sinn, ermöglichen Begegnung, bieten flexible Beteiligungsformen und gestalten verlässliche Rahmenbedingungen. Vor allem aber schaffen sie Räume, in denen Menschen ihre Fähigkeiten, Interessen und Ideen einbringen können. Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: „Wie finden wir neue Ehrenamtliche?“ Sondern vielmehr: „Wie können wir eine Gemeinschaft gestalten, in der Menschen gerne mitwirken und Verantwortung übernehmen möchten?“ Dort, wo diese Frage ernst genommen wird, entstehen Engagement, Verbundenheit und oft auch überraschend neue Wege des Miteinanders.
Dieser Bericht wurde KI-gestĂĽtzt erstellt.
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