Einsamkeit überwinden – wie soziales Engagement helfen kann

Person sitzt alleine auf einer Bank unter einem Baum, triste Stimmung

Die Digitalisierung macht es uns heutzutage so einfach wie noch nie, mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu kommen. Dank World Wide Web, Smartphones und Social Media ist unser Alltag von ständiger Vernetzung und digitaler Kommunikation geprägt. Man könnte also annehmen, dass Einsamkeit ein selteneres Phänomen geworden ist – doch die Realität sieht oft anders aus. Laut einer Umfrage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention aus dem Jahr 2023 fühlt sich jeder 4. Bundesbürger zwischen 18 und 69 Jahren sehr einsam. Während vor der Corona-Pandemie hauptsächlich ältere Menschen von Einsamkeit betroffen waren, steigt das Gefühl der Einsamkeit mittlerweile auch bei jüngeren Menschen immer weiter an. Was man unter Einsamkeit versteht, wieso diese nicht mit dem Alleinsein verwechselt werden darf, welche Auswirkungen Einsamkeit hat und wie man Einsamkeit überwinden kann, das erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

 

Definition von Einsamkeit

Einsamkeit ist zunächst ein sehr subjektives Empfinden. Es bezieht sich in der Regel auf den Zustand, in dem eine Person das Gefühl hat, dass ihre sozialen Bedürfnisse und emotionalen Verbindungen nicht erfüllt bzw. erfüllend sind, selbst wenn sie von anderen Menschen umgeben ist. So kann sich z.B. eine Person inmitten auf einer Party umgeben von Menschen einsam fühlen, wenn sie das Gefühl hat, nicht dazu zu gehören, ohne physisch alleine zu sein. Da es sich um ein subjektives Phänomen handelt, darf die Einsamkeit nicht mit dem Alleinsein gleichgesetzt werden.

Einsamkeit bezieht sich auf ein subjektives Gefühl der Isolation oder des Mangels an sozialer Verbundenheit. Es ist ein emotionales Empfinden. Alleinsein hingegen bezieht sich lediglich auf den Zustand, in dem eine Person physisch ohne Gesellschaft anderer ist. Viele Menschen genießen es, allein zu sein und schätzen die Zeit für sich selbst, ohne sich einsam zu fühlen. Alleinsein muss also nicht zwangsläufig zu Einsamkeit führen, und Einsamkeit kann auch in Gesellschaft anderer auftreten.

 

Ursachen von Einsamkeit

Die Ursachen für Einsamkeit können vielfältig sein und hängen oft von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich Alter, individueller Lebensumstände, persönlicher Erfahrungen und sozialer Kontexte.

Mögliche Ursachen bei jüngeren Menschen sind beispielsweise die Isolation oder Zurückweisung durch soziale Gruppen, denen man sich nicht (mehr) zugehörig fühlt oder von denen man ausgegrenzt wird. Vor allem nach Umzügen in eine neue Stadt/Umgebung fällt es vielen Menschen schwer, neue Kontakte zu knüpfen und Anschluss zu finden. Der übermäßige Gebrauch von Sozialen Medien und virtuelle Interaktionen kann zu oberflächlichen Beziehungen führen, die das Gefühl der Einsamkeit verstärken können. Zwar bekommt man tagtäglich mit, was sämtliche Personen tun und diese betiteln sich auch gerne mit „your digital bestie“ (= dein/e digitale/r beste/r Freund/in), eine Bezugsperson wird daraus jedoch nicht.

Bei älteren Menschen hat sich gezeigt, dass besonders die Gruppe der über 65-Jährigen stark von Einsamkeit betroffen ist. Ein möglicher Grund könnte sein, dass mit dem Austritt aus dem Berufsleben und dem Beginn des Ruhestands Sinn und Zweck im Leben wegfallen insbesondere wenn man nicht mehr in der Lage ist, einer anderen Tätigkeit nachzugehen und außerhalb des Jobs wenig soziale Kontakte hat. Aber auch durch eine eingeschränkte Mobilität durch gesundheitliche Probleme kann es zu einer Isolation kommen und Einsamkeit entstehen. Hinzu kommt, dass sich im Alter die sozialen Netzwerke oft automatisch verkleinern – durch den Verlust von Freunden oder dem Tod des Partners/der Partnerin.

Eine große Rolle spiele auch die Erkrankung Depression, da diese sehr eng mit dem Gefühl der Einsamkeit verknüpft sei, wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention immer wieder betont. Bedenkt man, dass laut WHO weltweit etwa 322 Millionen Menschen von Depressionen betroffen sind, Tendenz steigend, möchte man sich gar nicht ausmalen, wie groß der Anteil an Einsamkeit unter den Betroffenen ist. So gaben auch in der bereits oben erwähnten Umfrage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, mehr als doppelt so oft an (53 %), sich sehr einsam zu fühlen, als im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung (25%).

 

Auswirkungen von Einsamkeit

Einsamkeit kann auf vielfältige Weise negative Auswirkungen haben – auf das körperliche, emotionale und mentale Wohlbefinden. Bereits in der Steinzeit fühlten sich die Menschen in Gruppen wohler, man konnte aufeinander Acht geben und war in der Gruppe stärker gegenüber Feinden. Auch wenn heute keine Gefahr mehr von Säbelzahntigern ausgeht, ist es weiterhin ein ganz natürliches Bedürfnis des Menschen, sozial zu interagieren. Einsamkeit bedeutet daher für den menschlichen Körper und die Psyche Stress. Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden – sogar Bluthochdruck und Herzinfarkte sollen laut der Barmer Krankenkasse in Zusammenhang mit dem Gefühl der Einsamkeit entstehen können. Auch Alzheimer und Demenz können eine Folge sein, da einsame Menschen weniger Möglichkeiten haben, anregende Gespräche zu führen oder Aktivitäten zu unternehmen, die das Gehirn fördern. Einsamkeit kann ebenso zu Angstzuständen und Panikattacken führen, wenn wir uns den Herausforderungen des Alltags alleine nicht mehr gewachsen fühlen und die nötige Unterstützung fehlt. Wie bereits oben erwähnt gehen auch Depressionen oft mit Einsamkeit einher.

 

Soziales Engagement als mögliche Lösung

Soziales Engagement kann auf verschiedene Weise dazu beitragen, Einsamkeit zu bewältigen und das soziale Wohlbefinden zu fördern. Im Folgenden möchten wir euch ein paar Impulse mitgeben, egal ob ihr selbst von Einsamkeit betroffen seid, oder Betroffenen helfen möchtet und wie sich das auch positiv die gesamte Gesellschaft auswirken kann.

Für Betroffene

Soziales Engagement kann dabei helfen, neue soziale Kontakte zu knüpfen, soziale Fähigkeiten zu verbessern und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu fördern. Indem man sich aktiv und sinnvoll in einer Gemeinschaft einbringt, entwickelt man auch das Gefühl, gebraucht zu werden und eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zu spielen. Durch die neue Aufgabe wird der Alltag automatisch strukturierter und man kommt wieder mehr in den Austausch mit anderen, die sich für dieselben Dinge interessieren – das ist eine super Basis zum Kennenlernen neuer Leute, um Freundschaften zu schließen und sich mit Gleichgesinnten zu verbinden.

Für Helfer

Menschen, die nicht von Einsamkeit betroffen sind, betroffenen Personen aber gerne helfen möchten, können mit ihrem sozialen Engagement einen wertvollen Beitrag leisten. Durch aktives Zuhören und das Zeigen von Empathie kann dazu beigetragen werden, einsamen Personen das Gefühl zu geben, verstanden und akzeptiert zu werden. Zeit ist unser wertvollstes Gut, welches wir mit anderen teilen können. Allein schon, dass man sich bewusst Zeit für andere nimmt, einfach da zu sein und zu zeigen, dass man sich für die Gefühle und Erfahrungen anderer interessiert, kann eine große Unterstützung sein. Sollten neben dem Gefühl der Einsamkeit auch körperliche Beschwerden einhergehen, kann auch hier mit gemeinsamen Arztbesuchen oder der Begleitung zur Apotheke den Betroffenen geholfen werden. Und falls sich Helfer auch einsam fühlen sollten, können sie durch ihr  soziales Engagement auch ihre eigene Einsamkeit überwinden und ein Gefühl der Verbundenheit wiederherstellen.

Für die Gesellschaft

Soziales Engagement trägt zum sozialen Zusammenhalt bei, indem es Menschen dazu ermutigt, sich für das Wohl anderer einzusetzen und gemeinsame Ziele zu verfolgen. Wenn Menschen anderen helfen, sich weniger einsam zu fühlen, fördert dies Empathie und Mitgefühl. Indem wir uns um das Wohlergehen anderer kümmern und ihnen Unterstützung bieten, stärken wir die zwischenmenschlichen Beziehungen und es entsteht ein Gefühl der Solidarität und des Zusammenhalts, das die gesamte Gesellschaft stärken kann.

 

Fazit

Einsamkeit hat viele Facetten und bleibt eine weit verbreitete Herausforderung, die Menschen jeden Alters und Hintergrunds betrifft. Einsamkeit kann schwerwiegende Auswirkungen auf das individuelle Wohlbefinden haben, von psychischen und physischen Gesundheitsproblemen bis hin zu einer verringerten Lebensqualität. Daher ist es wichtig, rechtzeitig zu reagieren und Einsamkeit überwinden zu können. Soziales Engagement bietet nicht nur eine Möglichkeit, anderen zu helfen und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, sondern kann auch eine wirksame Strategie sein, um Einsamkeit zu überwinden. Wer selbst von Einsamkeit betroffen ist, kann durch die Teilnahme an sozialen Gruppen, ehrenamtlichen Tätigkeiten und die Förderung von inklusiven Gemeinschaften neue soziale Kontakte knüpfen, sich mit anderen verbinden und ein Gefühl der Zugehörigkeit wiederherstellen Aber auch wer nicht von Einsamkeit betroffen ist, kann Betroffenen durch ein soziales Engagement helfen: da sein, zuhören, Mitgefühl zeigen, sich bewusst Zeit nehmen. Oftmals braucht es gar nicht viel. Indem wir uns gegenseitig unterstützen und füreinander da sind, können wir nicht nur unsere eigene Einsamkeit bewältigen, sondern auch dazu beitragen, eine solidarische und unterstützende Gesellschaft aufzubauen, in der jeder Mensch gehört und geschätzt wird und sich niemand einsam fühlen muss.

Autorin: Patricia Katzer


Quellen

pm_barometer-23_einsamkeit-und-depression_071123.pdf (zuletzt abgerufen am 02.04.2024)

BMFSFJ – Wissen zu Einsamkeit vertiefen (zuletzt abgerufen am 02.04.2024)

Depression – Internationale Studie bringt Licht in die Ursachen der Lebensfinsternis (gesundheitsforschung-bmbf.de) (zuletzt abgerufen am 02.04.2024)

Was Einsamkeit aus Menschen macht | BARMER (zuletzt abgerufen am 05.04.2024)

BMFSFJ – Einsamkeit entschlossen bekämpfen (zuletzt abgerufen am 05.04.2024)

Einsamkeit und Depression – Stiftung Deutsche Depressionshilfe (deutsche-depressionshilfe.de) (zuletzt abgerufen am 16.04.2024)

 

 

 

 

 

 

 

 


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